Begriffserklärung

Finetrading

Finetrading bietet eine Bank als alternative Möglichkeit zur Vorfinanzierung des Material- oder Wareneinkaufs, des Lagerbestands oder von Aufträgen. 

Finetrading als Wareneinkaufsfinanzierung

Beim Finetrading werden Warenbestellungen oder Lagerbestände auf Basis eines Lieferantenkredites vorfinanziert. Der Finetrader kauft Ware auf eigene Rechnung bei vom Unternehmer (originärer Besteller) vorgegebenen Lieferanten zu von diesem ausgehandelten Preisen und Konditionen (z.B. Skontovereinbarung).

Der Vorfinanzierer zahlt die Lieferantenrechnung sofort nach Freigabe durch den Unternehmer und räumt diesem bei positiver Bonitätsprüfung ein verlängertes Zahlungsziel von bis zu 30 – 180 Tagen ein. Das schont Liquidität und eigene Kreditlinien des Unternehmens.

Prozessablauf

Der Finetrader agiert als Zwischenhändler zwischen Besteller und Lieferant.

Der Unternehmer teilt dem Finetrader mit von welchem Lieferanten, zu welchen Konditionen er welche Ware einkaufen möchte. Der Finetrader prüft, ob er das bestellende Unternehmen in Höhe der gewünschten Einkaufslinie rückversichern kann.

Bei positiver Limitprüfung löst der Finetrader die Bestellung aus, die Lieferung erfolgt direkt an den Unternehmer.Der Feintrader begleicht die Rechnung des Lieferanten sofort und gewährt dem Endabnehmer ein verlängertes Zahlungsziel.

Der Unternehmer kann nach pünktlicher Begleichung seiner Rechnung an den Finetrader revolvierend über das eingeräumte Limit verfügen.

Working Capital

Working Capital, im Deutschen oft auch als Betriebskapital bezeichnet, ist eine Bilanzkennzahl, die angibt wie stark die Finanzkraft eines Unternehmens ist. Zur Steuerung der Kennzahl dient das Working Capital Management.

Es berechnet sich aus dem Umlaufvermögen abzüglich der kurzfristigen Verbindlichkeiten (Working Capital = Umlaufvermögen – kurzfristige Verbindlichkeiten). Ein positives Wert bedeutet, dass das Umlaufvermögen eines Unternehmens die kurzfristigen Verbindlichkeiten abdeckt.

Die Bilanzkennzahl Working Capital, die ursprünglich aus dem amerikanischen Rechnungswesen stammt, ist somit Maß für die Finanzierung, Zahlungsfähigkeit und Kreditwürdigkeit eines Unternehmens.

Das Betriebskapital sollte also möglichst positiv sein. Jedoch auch nicht zu groß. Denn ein zu hoher Wert bedeutet, dass das Umlaufvermögen stark gebunden ist. Es wird weniger effizient eingesetzt. Welchen Wert genau nun die Kennzahl annehmen sollte, muss immer auch mit Blick auf die jeweilige Branche und das Geschäftsmodell entschieden werden.

Zur Optimierung der Financial Supply Chain kann das sogenannte Working Capital Management eingesetzt werden. Mithilfe dieser lassen sich Umlaufvermögen und Lieferverbindlichkeiten steuern, um so die Liquidität eines Unternehmens zu optimieren. Zum Ziel hat das Working Capital Management die Kapitalbindung zu reduzieren und somit das Kapital effizienter einzusetzen.

Sale and Leaseback

Werthaltige Maschinen, Nutzfahrzeuge oder Anlagen binden Kapital. Beim Sale und Leaseback wird das Objekt vom Unternehmer an eine Leasinggesellschaft verkauft und anschließend zurück geleast. Das Unternehmen erhält so schnell liquide Mittel und kann dennoch die Objekte wie gewohnt weiternutzen.

Statt Zinsen und Tilgung für einen Kredit zahlt das Unternehmen künftig eine Leasingrate an die Leasinggesellschaft. Daraus folgt: Unternehmen erhalten schnell und vor allem eine höhere Liquidität.

Zudem werden nach HGB mit dem Übergang des Eigentums die Objekte fortan bilanziell beim Leasinggeber aktiviert. Neue Investitionen werden erleichtert und Bilanzkennzahlen verbessert. Aufwendungen sind dann planbar, denn es handelt sich um langfristige kalkulierbare Raten, die sich in der Regel steuerlich geltend machen lassen.

Real Estate

Der Begriff ist englischen Ursprungs und bedeutet Grundeigentum oder Immobilie.

Die Definition des Corporate Real Estate Management bezieht sich auch die Vermarktung von Gewerbeimmobilien wie Hotelimmobilien, Büro- und Geschäftsimmobilien etc. Hotelimmobilien im Eigentum von Unternehmen zum Beispiel, werden durch ein ergebnisorientiertes Management gesteuert, dem Corporate Real Estate Management.

Junior Loan - Senior Loan

Junior Debenture; engl. Bezeichnung für nachrangiges Fremdkapital, also Fremdkapital, das im Insolvenzfall erst nach anderem Fremdkapital zurückbezahlt wird. Im Rahmen der Mezzanine-Finanzierung handelt es sich bei den Junior Debts um ungesicherte nachrangige Darlehen, die in ihrem Rang unmittelbar vor dem Eigenkapital stehen.

Senior Debenture; engl. Bezeichnung für vorrangiges Fremdkapital, also Fremdkapital, das im Insolvenzfall als erstes zurückbezahlt wird. Im Rahmen der Mezzanine-Finanzierung handelt es sich bei Senior Debts um Fremdkapital, das dem erstrangigen Fremdkapital im Rang zwar nachgestellt ist, jedoch durch die Bestellung von Sicherheiten weniger risikoreich ist.

Mezzanine Kapital

Das Finanzierungsinstrument Mezzanine schließt die Lücke zwischen Eigenkapital und Fremdkapital. Dank seiner außerordentlich hohen Flexibilität ermöglicht Mezzanine maßgeschneiderte Finanzierungskonzepte. Unter anderem können die Zahlungsverpflichtungen an die konkrete Liquiditätssituation des Unternehmens angepasst werden.

Durch die Nachrangigkeit gegenüber den Fremdverbindlichkeiten, wird Mezzanine im Ratingprozess der Banken als wirtschaftliches Eigenkapital klassifiziert und erleichtert die Eindeckung von weiterem Fremdkapital zu oftmals besseren Konditionen. Durch die Aufnahme dieses stimmrechtslosen wirtschaftlichen Eigenkapitals verändern sich die Gesellschafterverhältnisse nicht.

Eigenkapital

Deutsche mittelständische Unternehmen verfügen typischerweise über wenig Eigenkapital, wodurch Wachstumsvorhaben oder Kreditaufnahmen limitiert werden. Auch durch die sich abzeichnenden Veränderungen auf den Finanzmärkten, den regulatorischen Verschärfungen der Banken sowie steigenden unternehmerischen Herausforderungen in einer globalisierten Welt werden Unternehmen künftig weiter verstärkt auf eine solide Eigenkapitalbasis achten.

Eine gute Eigenkapitalquote ist insbesondere auch die Basis für ein gutes Rating, niedrige Finanzierungskosten und einen guten Unternehmenswert.

Eigenkapital = Gezeichnetes Kapital – ausstehende Einlagen auf das gezeichnete Kapital + Gewinnrücklage + Kapitalrücklage + Hälfte des Sonderpostens mit Rücklageanteil 

Eigenkaptialquote

Die Eigenkapitalquote zeigt, wie hoch der Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital ist.  Je höher die Eigenkapitalquote, umso höher ist die finanzielle Stabilität des Unternehmens und die Unabhängigkeit gegenüber Fremdkapitalgebern. Banken bewerten daher die Bonität eines Unternehmens bei hoher Eigenkapitalquote höher.

Eigenkapitalquote:

Eigenkapital: passive Bilanzpositionen

______________________________________________________________________________ * 100% = X

Gesamtkapital: Summe aller Passiva in der Bilanz (vereinfacht) Bilanzsumme

Zielwert: >15%, Branchenunterschiede sind zu beachten. Je höher die Anlagenintensität ist, umso höher sollte auch die Eigenkapitalquote sein.

Fremdkapital

Kreditkapital oder Schulden. Bezeichnung für die in der Bilanz ausgewiesenen Schulden der Unternehmung (Verbindlichkeiten und Rückstellungen), die rechtlich entstanden oder wirtschaftlich verursacht sind.
 
Fremdkapital dient der Finanzierung des Unternehmensvermögens. Der Fremdkapitalgeber ist an der Unternehmung nicht beteiligt, er ist Gläubiger, der einen Anspruch auf Rück- bzw. Auszahlung (Tilgung) und ggf. Zinszahlung hat. Das Fremdkapital wird der Unternehmung durch den Fremdkapitalgeber langfristig (Anleihen, Hypotheken etc.) bzw. mittel- oder kurzfristig zur Verfügung gestellt oder entsteht aus dem Umsatzprozess (z.B. Verpflichtungen aus Ertragsteuern, Provisionsverpflichtungen u.Ä.).
 
Fremdkapital = Rückstellungen + Verbindlichkeiten + Hälfte des Sonderpostens mit Rücklageanteil

Bilanzoptimierung

Zentral für die Finanzierbarkeit und für die Höhe der Finanzierungskosten von Unternehmen ist das Rating, somit wichtige Bilanzkennziffern wie die Eigenkapitalquote und der Verschuldungsgrad. Mittels Off-Balance-Sheet-Maßnahmen und Auslagerungstransaktionen sind Kennziffern zu verschlanken und zu verbessern. So kann eine Finanzierungsbasis verbessert oder überhaupt erst geschaffen werden.

Vermögensgegenstände für derartige Bilanzstrukturmaßnahmen können nicht betriebsnotwendiges Anlagevermögen, immaterielles Vermögen (wie Marken oder Patente) oder geeignetes Umlaufvermögen sein.

Ebit

EBIT = Earnings before interest and taxes. Hierbei handelt es sich um das Ergebnis vor Steuern und Zinsen. Diese Kennzahl zeigt das Betriebsergebnis unabhängig von regionalen Besteuerungen und unterschiedlichen Finanzierungsformen an. Dadurch kann diese Kennzahl zum internationalen Vergleich von Unternehmen herangezogen werden.

EBIT = Jahresüberschuss +/- außerordentliches Ergebnis + Steueraufwand – Steuererträge +/- Finanzergebnis

Diese Kennzahl entspricht dem Betriebsergebnis. Alle nicht der eigentlichen betrieblichen Tätigkeit zuzuordnenden Aufwendungen werden herausgefiltert.

Ebitda

EBITDA =earnings before interest, tax, depreciation, and amortization. Der Begriff bezeichnet das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und auf immaterielle Vermögensgegenstände. Das EBITDA stellt daher als betriebswirtschaftliche Kennzahl das Ergebnis der reinen Firmenaktivitäten dar, wobei Zinskosten und -erträge sowie sämtliche Abschreibungen ausgeklammert sind. Sie gibt Aufschluss über die Wirtschaftlichkeit der Unternehmensaktivitäten.

Der Wert vermittelt einen guten Eindruck von der Rentabilität der Firmenaktivitäten und lässt solche Posten außer Acht, die damit nichts zu tun haben. Sie gibt Auskunft über die betriebliche Verfassung des Unternehmens.

Zusätzlich zum beschriebenen „reinen“ EBITDA wird auch der Begriff des sogenannten adjusted oder bereinigten EBITDA verwendet. Für diesen Wert werden außerordentliche Kosten und Erträge aus dem Unternehmensergebnis herausgerechnet, nicht aber Kosten, die enger mit den Unternehmensaktivitäten zusammenhängen – zum Beispiel Abschreibungen auf dafür genutzte Anlagen. Dabei ist nicht genau definiert, was zu diesen außergewöhnlichen Kosten und Erträgen zählt. Daher ist die Aussagekraft dieser Kennzahl beim Vergleich unterschiedlicher Unternehmen ebenfalls begrenzt.

Berechnung:

   Jahresüberschuss

+ Steueraufwand

– Steuererträge

+ Zinsaufwand

– Zinserträge

+ Abschreibungen

– Zuschreibungen

= EBITDA

+ außergewöhnliche Aufwendungen

– außergewöhnliche Erträge

= bereinigtes EBITDA

Stille Reserven

Vorhandene Werte, die in der Unternehmensbilanz nicht auftauchen. Stille Reserven sind im Prinzip Eigenkapital, das nicht in der Bilanz eines Unternehmens auftaucht. Es mindert den ausgewiesenen Wert des Unternehmens im Vergleich zum tatsächlichen Wert, wenn man das Vermögen zu gering oder die Schulden zu hoch einschätzt bzw. angibt.

Durch stille Rücklagen entstehen im Unternehmen Reserven, die nur dann konkret werden, wenn sie aufgelöst werden – Umwandlung in fassbare Werte. Stille Reserven mindern den in der Bilanz ausgewiesenen Gewinn. Das bedeutet: Die Steuerlast sinkt, aber ebenso der Ertrag für die Anteilseigner (Aktionäre, Gesellschafter und Firmeninhaber).

Stille Reserven – häufig auch als stille Rücklagen oder Bewertungsreserven bezeichnet – entstehen durch eine Bewertung von Vermögensgegenständen und Verbindlichkeiten eines Unternehmens, die so vom tatsächlichen Wert abweicht, dass ein versteckter Wertüberschuss entsteht.

Stille Lasten

Das Gegenteil von stillen Reserven sind stille Lasten. Sie entstehen durch, die Überbewertung von Vermögensgegenständen und/oder Schulden denen ein zu geringen Wert beigemessen wird. Anders als bei den stillen Reserven ist dies in keinem Fall zulässig. Für eine erste Bewertung ist bei Vermögenswerten der Beschaffungspreis die obere Grenze, und jede Wertminderung erfordert eine entsprechende Abschreibung. Verbindlichkeiten sind im Wert nach „vernünftiger kaufmännischer Beurteilung“ anzusetzen, wie es im Gesetz heißt.